ECRA-Mitglied Dr. Julian Wienert:

"Mein Forschungsziel für die kommenden Jahre besteht darin, die potenzielle Rolle der PRO für DPHI bei der Erfassung der Patientenperspektive zu untersuchen und Strategien für die Implementierung von DPHI in die Gesundheitssysteme bereitzustellen."

Ergebnisse aus Patentenberichten (PRO) spielen eine zunehmende Rolle bei der Bewertung von Therapien und anderen Gesundheitsdiensten, um deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung zu quantifizieren. Obwohl PROs heutzutage als primäres Evaluationsergebnis (z.B. neue Medikamente) gut akzeptiert sind, wurde bei der Etablierung als Standard für die Evaluation digitaler Public-Health-Interventionen (DPHI) wenig Aufmerksamkeit darauf gerichtet. Ein weiterer Aspekt bei der Unterstützung der Auswirkungen von DPHI auf die Gesundheit der Bevölkerung ist ihre erfolgreiche Implementierung in die derzeitigen Strukturen des Gesundheitswesens. Allerdings verfügen die DPHI häufig nicht über eine ausreichende Umsetzungsstrategie. Sobald DPHI verfügbar sind, werden sie als autarke Systeme betrachtet, welche die gleiche Leistung erbringen wie unter kontrollierten Bedingungen. Daher besteht das Forschungsziel darin, die potenzielle Rolle von PRO für DPHI zu untersuchen und Strategien für die Implementierung von DPHI in Gesundheitssysteme bereitzustellen. Dazu werden verschiedene Methoden eingesetzt, die von Scoping-Reviews bis hin zu Ansätzen mit gemischten Methoden reichen, welche qualitative und quantitative Forschungsmethoden umfassen. Die Forschungsergebnisse zielen darauf ab, die Bedeutung von PRO im Kontext von DPHI und Bevölkerungsgesundheit hervorzuheben und Umsetzungsstrategien für DPHI zu liefern. Die Anwendung verschiedener Forschungsmethoden durch verschiedene Forschungsprojekte, die sich in den nächsten Jahren mit DPHI befassen, kann zur Erreichung dieses Ziels beitragen.

Forschungsentwurf

PRO ist ein Sammelbegriff für Maßnahmen, die auf Patientenbeurteilungen basieren. Dazu gehören psychosoziale Konstrukte wie gesundheitsbezogene Lebensqualität, Patientenpräferenzen, Patientenzufriedenheit oder wahrgenommene Krankheitssymptome. PRO-Daten können mit Hilfe von selbst ausgefüllten Fragebögen oder durch Umfragen erhoben werden. Deshalb werden PRO oft als Mittel zur Erfassung von Patienten- und nicht von klinischen oder anderen Ergebnisperspektiven verwendet und können als solche eine zunehmende Rolle bei der Bewertung von Therapien und anderen Gesundheitsdiensten spielen, um deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung zu quantifizieren. Obwohl PROs heutzutage als primäres Evaluationsergebnis weitestgehend akzeptiert sind, wurde ihrer Etablierung als Standard für die Evaluation digitaler Public-Health-Interventionen (DPHI) wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Mit den aktuellen Entwicklungen im deutschen Gesundheitssystem zur Bewertung von DPHI, wie z. B. Apps als Medizinprodukte durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dürfte die Bedeutung von PROs auf ein vergleichbares Niveau wie bei der Arzneimittelzulassung gestärkt werden.

Ein weiterer Aspekt bei der Unterstützung der Auswirkungen von DPHI auf die Gesundheit der Bevölkerung ist ihre erfolgreiche Implementierung in die derzeitigen Strukturen der Gesundheitsversorgung. Es gibt viele Beispiele für eine problematische Umsetzung von Gesundheitsinterventionen in Gesundheitseinrichtungen. Es wird zunehmend anerkannt, dass die Art und Weise, wie die Interventionen umgesetzt werden, ebenso wichtig für die Realisierung des vollen Potenzials der Interventionen ist. Implementierungsstrategien sind als das "Wie" der Implementierungswissenschaft beschrieben worden, zu der die spezifischen Mittel oder Methoden gehören, die zur Übernahme und Aufrechterhaltung von Interventionen eingesetzt werden. DPHI verfügen jedoch oft nicht über eine ausreichende Implementierungsstrategie. Sobald DPHI verfügbar sind, werden sie als autarke Systeme betrachtet, weche die gleiche Leistung erbringen wie unter kontrollierten Bedingungen. DIPHs können als ein Beispiel für komplexe Interventionen angesehen werden, die aufgrund von Faktoren wie Interoperabilität, Anpassung an bestehende Systeme, Unterbrechung der Interaktionen zwischen Angehörigen der Gesundheitsberufe und Patienten oder geringe Technologieakzeptanz schwierig umzusetzen sind. Angesichts der zunehmenden Verwendung von DIPHs und ihrer verstärkten Rolle in der Gesundheitsversorgung ist es von entscheidender Bedeutung zu verstehen, wie sie am besten umgesetzt werden können.

Daher besteht das Forschungsziel für die kommenden Jahre darin, die potenzielle Rolle der PRO für DPHI bei der Erfassung der Patientenperspektive zu untersuchen und Strategien für die Implementierung von DPHI in die Gesundheitssysteme bereitzustellen, damit sie ihr volles Potenzial entfalten können. Dazu werden verschiedene Methoden eingesetzt, die von Scoping-Reviews bis hin zu methodengemischten Ansätzen reichen, die qualitative und quantitative Forschungsmethoden umfassen, wobei auf Erfahrungen aus früheren On- und Offline-Interventionsstudien zurückgegriffen wird, die hauptsächlich aus multimodalen, komplexen Interventionen bestanden. Gesundheitspsychologische Interventionen zur Änderung des Gesundheitsverhaltens können als Fallbeispiele für DPHI dienen, da das Feld umfangreiche Evidenz aus Online- und Mobilinterventionen bietet und effektive Interventionskomponenten in taxonomischen Systemen gut beschrieben und strukturiert sind. Trotz ihrer oft nachgewiesenen Wirksamkeit unter kontrollierten Bedingungen schaffen es solche evidenzbasierten Interventionen zur Änderung des Gesundheitsverhaltens langsam in den ersten Gesundheitsmarkt und wenn es ihnen gelingt sich zu etablieren, ist wenig bis gar nichts über ihre Wirksamkeit bekannt, d.h. darüber, wie sie im Gesundheitssystem unter unkontrollierten, realen Bedingungen wirken.

Kontakt-Details

Dr. Julian Wienert
Leibniz Institute for Prevention Research and Epidemiology – BIPS
Department for Prevention and Evaluation
Achterstraße 30
28359 Bremen, Gemany
Phone: +49 (0)421 218-56920
Mail: wienert@leibniz-bips.de
Websites: BIPS | ResearchGate

 

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