ECRA-Mitglied Laura Maaß:

"Im Vergleich zu anderen Ländern hinkt Deutschland bei der Nutzung digitaler Interventionen innerhalb seines nationalen Gesundheitssystems hinterher."

Digitale Lösungen im Gesundheitswesen können zur Verbesserung der Patientensicherheit, der Gesundheitsergebnisse und der Krankheitsprävention beitragen. Um den Einsatz dieser Interventionen zu ermöglichen, müssen die Länder einen rechtlichen und technologischen Rahmen schaffen. Im Vergleich zu anderen Ländern hinkt Deutschland bei der Nutzung digi-taler Interventionen innerhalb seines nationalen Gesundheitssystems hinterher. Ziel dieses Projekts ist es daher, einen Index für digitales Public Health zu entwickeln. Dieser Index soll den Stand der Technik der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung in den europäischen Ländern vergleichen.

Zunächst wird eine systematische Literaturrecherche einen Überblick über weltweit genutzte digitale Public-Health-Technologien und -Anwendungen geben. In einem zweiten Schritt werden Indikatoren für die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie für einen rechtlichen und ethischen Rahmen für den Einsatz digitaler Technologien im Bereich der öf-fentlichen Gesundheit für die europäischen Länder ausgewählt. Diese drei Bereiche werden im endgültigen Index zusammengeführt. Eine quantitative Online-Umfrage wird den Grad der Implementierung und Nutzung digitaler Technologien analysieren. Der Index soll ein Benchmarking und politisches Lernen im Bereich des digitalem Public Health ermöglichen. Dies wird den europäischen Ländern helfen, ihre Gesundheitssysteme zu verbessern, da sie von den Erfahrungen anderer Nationen in den Bereichen der Implementierung, Nutzung und Bewertung digitaler Technologien im Gesundheitswesen lernen können.

Elektronische Gesundheitsakten, Telemedizin, elektronische Rezepte, Gesundheitsinformationsportale oder verschriebene Apps sind Beispiele für Technologien und Anwendungen, die von Regierungen in nationalen Gesundheitssystemen bereitgestellt werden können. Die Umstellung auf ein digitales Gesundheitssystem bietet die Chance einer nachhaltigen, effizienten und sichereren Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig könnte sie eine höhere Qualität der Dienstleistungen und einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung für Menschen in Not ermöglichen. Interessanterweise ist die Anpassung der digitalen Technologien und Anwendungen im Gesundheitswesen in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. Während einige Nationen (z.B. Dänemark und Schweden) bereits verschiedene Technologien in ihrem Gesundheitssystem implementiert haben, setzen andere Nationen wie Deutschland digitale Public-Health-Technologien (DiPHT) auf nationaler Ebene kaum ein. In den nächsten drei Jahren werde ich die aktuelle Situation in allen europäischen Ländern mit mehr als 500.000 Einwohnern untersuchen. Zu diesem Zweck werde ich einen digitalen Public-Health-Index entwickeln. Dieser Index wird sowohl die Rahmenbedingungen für die Bereitstellung als auch den spezifischen Einsatz von DiPHT in den europäischen Gesundheitssystemen untersuchen.

 Forschungsplan

Der Index wird aus drei verschiedenen Subindizes bestehen. Alle drei sind in sich geschlossene Systeme, die sich jedoch alle gegenseitig bedingen. Der erste Teilindex befasst sich mit den technologischen Rahmenbedingungen, die für den Einsatz von DiPHT gewährleistet sein müssen. Quantitative Indikatoren werden von der OECD, der Weltbank und der EU vorgeschlagen. Sie umfassen u.a. den Anteil der Haushalte mit Zugang zu Breitbandanschlüssen, Investitionen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) oder den Anteil der Gebiete mit 4G / 5G Netzzugang an der Gesamtfläche des Landes. Diese Indikatoren sollen durch die Auswertung von Länderberichten erhoben werden. Der zweite Teilindex konzentriert sich auf den rechtlichen und ethischen Rahmen, der den Einsatz von DiPHT regeln soll. Dazu gehören Regelungen für den Austausch von Patientendaten zwischen Ärzten, Vorgaben für die Nutzung von Daten durch Dritte und Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Privatsphäre der Patienten. Diese Indikatoren werden in einer quantitativen Online-Umfrage von Experten aus den jeweiligen Nationen beantwortet. Der dritte Sub-Index schließlich bezieht sich auf die Nutzung der DiPHT in den Gesundheitssystemen der einbezogenen Länder. Neben spezifischen Technologien wie der elektronischen Patientenakte / Überweisung / Verschreibung oder dem Einsatz von Telemedizin gehört dazu auch das Vorhandensein einer Strategie zur Digitalisierung des Gesundheitssystems sowie die staatliche Kofinanzierung der Umsetzung und Nutzung von DiPHT. Wie der zweite Sub-Index sollte auch dieser dritte Satz von Indikatoren in einer Online-Umfrage von Experten aus Politik und Wissenschaft beantwortet werden.

Der Gesamtindex wird in der Lage sein, den Reifegrad der digitalen öffentlichen Gesundheit in den europäischen Gesundheitssystemen auszudrücken. Dies wird Benchmarking und politisches Lernen zwischen den Ländern ermöglichen. Aufgrund der Transparenz des Index' werden auch andere Länder, die nicht in die Studie einbezogen sind, in der Lage sein, ihre eigene Punktzahl zu ermitteln und ihr eigenes Potenzial zu bestimmen. Auf diese Weise werden sich die Gesundheitssysteme der Länder zu nachhaltigeren und effizienteren Systemen entwickeln können.

Kontakt-Details

Laura Maaß, M.A. Public Health
Universität Bremen
SOCIUM Forschungszentrum für Ungleichheit und Sozialpolitik
Abteilung: Gesundheit, Langzeitpflege und Renten

Mary-Somerville-Straße 3, Raum 3.4200
28359 Bremen, Deutschland
Tel.: +49 (0)421 218-58610
E-Mail: laura.maass@uni-bremen.de
Websites: Socium ResearchGate

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