ECRA Mitglied Paula Herrera Espejel

"Im Rahmen meines Promotionsprojekts möchte ich untersuchen, wie digitale Lösungen Menschen mit unterschiedlichem kulturellem und sprachlichem Hintergrund dazu ermutigen können, an bevölkerungsbasierter Forschung teilzunehmen. Letztlich geht es darum, die Unterrepräsentation solcher Gruppen zu verringern und die Verallgemeinerbarkeit von Studien zu verbessern, die für Entscheidungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit verwendet werden."

Das Promotionsforschungsprojekt und unsere Arbeitshypothese

Zusammen mit der Forschungsgruppe "Mensch-Computer-Interaktion" an der Universität Bremen und dem Bereich "Feldarbeit" in der Abteilung "Epidemiologische Methoden und Ursachenforschung" am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS werde ich untersuchen, wie verschiedene digitale Dienste, die schriftliche Dokumente ergänzen, wie z.B. automatische Übersetzungen oder Text-to-Speech-Dienste, Lösungen für die Bewältigung von Sprach- und Lesbarkeitsproblemen von schwer erreichbaren Gruppen in öffentlichen Gesundheitsbefragungen und epidemiologischer Forschung bieten könnten. Diese Forschung wird dazu dienen, das Design, die Entwicklung und den Einsatz des vorgesehenen digitalen Systems Companion Web App (CWA) durch ein interdisziplinäres Team von Forschern und Ingenieuren zu informieren.
Die bevölkerungsbasierte Forschung wird zunehmend durch abnehmende Antwortanteile herausgefordert, was zu verzerrten Schätzungen führen kann, die letztlich die Verallgemeinerbarkeit der Studien untergraben. In einigen Fällen kann die Nichtbeantwortung von Einheiten mit der Verständlichkeit der visuell-verbalen Kommunikation des vorliegenden Materials zusammenhängen. Obwohl einige Personen bereit wären, mit ihren Daten an einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt teilzunehmen, tun sie es vielleicht nicht, nur weil sie das Einladungsschreiben und die Studieninformationen aufgrund von Sprach- oder Lese- und Schreibbarrieren nicht richtig verstehen. Diese Hindernisse können potenziell abgeschwächt werden, indem man sich mit der Lesbarkeit der Rekrutierungsunterlagen beschäftigt und das Material auf die Kommunikationsbedürfnisse der Adressaten zuschneidet. Eine Lösung besteht darin, die Integration digitaler Dienste als ergänzende Komponente zu den ursprünglichen papierbasierten postalischen Kontakt- und Rekrutierungsstrategien in Betracht zu ziehen, um das verfügbare Kommunikationsmaterial zu verbessern. Zum Beispiel durch ein leicht zugängliches, online-basiertes Portal, auf dem die Adressaten intuitiv auf eine übersetzte Version des ursprünglichen gedruckten Inhalts mit einem Sprachumschalter zugreifen können, sowie die Möglichkeit haben, sich den Text vorlesen zu lassen oder die Schriftgrößen der gedruckten Version anzupassen.
Unsere Haupthypothese besagt, dass durch die Bereitstellung von automatischen Übersetzungen des Originalinhalts in die bevorzugte Sprache oder durch die Bereitstellung von online-basierten Text-to-Speech-Diensten, die den Originaltext vorlesen, ein erheblicher Anteil der Adressaten ermutigt werden könnte, auf das Projekt zu reagieren und sich weiter zu engagieren, wodurch die Lücke in der Repräsentation von Teilgruppen mit unterschiedlichen Lese- und Sprachkenntnissen verringert werden könnte. Da wir einen dynamischen und anpassbaren Mechanismus zum Ausgleich von Sprach- und Lesefähigkeitsunterschieden erwarten, gehen wir davon aus, dass der Anteil der Antworten von ansonsten unterrepräsentierten Gruppen höchstwahrscheinlich steigen wird.

Die deutsche Fallstudie zum Testen des CWA-Systems und der Hypothese

Um den Beweis für die Funktionsfähigkeit des CWA zu erbringen, werden die Auswirkungen des Einsatzes des CWA im Vergleich zum üblichen papierbasierten Rekrutierungsmodus (ohne jegliche digitale Komponente) in laufenden epidemiologischen Forschungsprojekten am BIPS getestet. Die deutsche Bevölkerung ist ein geeignetes Fallbeispiel, um das Produkt und die Arbeitshypothese zu testen. Einerseits weisen epidemiologische Studien, die sich mit der Gesundheit der deutschen Gesellschaft befassen, tendenziell einen geringeren Anteil an Teilnehmern aus wichtigen demografischen Bevölkerungsgruppen auf (siehe z. B. Saß, 2015). In einer stetig wachsenden multikulturellen und mehrsprachigen Gesellschaft, in der über 21 Mio. Einwohner einen Migrationshintergrund haben (vgl. Destatis 07.2020) und eher in anderen Sprachen interagieren, liegt die Vermutung nahe, dass die niedrigeren Zahlen mit sprachlichen Einschränkungen und/oder Lesbarkeitsbarrieren zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme und Rekrutierung als beitragende Faktoren zusammenhängen. Darüber hinaus gibt es, unabhängig von der Herkunft oder den Fähigkeiten der Bewohner, eine wachsende Zahl von Menschen, die digitale Geräte mit Internetzugang besitzen, und zwar mehr als 56 Millionen Smartphone-Nutzer (Bitkom 02.2021). Hinzu kommt, dass die Rekrutierung von Studienteilnehmern für Forschungsstudien aufgrund der rechtlichen und praktischen Restriktionen in Deutschland für die Gewinnung und den Zugriff auf Kontaktdaten von Adressaten, die keine Postadressen sind, häufig über einen postalischen Erstkontakt erfolgen muss, so dass eine direkte Erstansprache über digitale Medien nicht möglich ist. Die Nutzung einer digitalen Rekrutierungsstrategie als Ergänzung zum üblichen postalischen, papierbasierten Modus ist eine innovative Lösung, die sich in den rechtlichen Rahmen einfügt, der die Kontaktdaten der Bewohner des Landes schützt.

Allgemeine Projektorganisation

Das Dissertationsprojekt sieht drei Hauptarbeitsphasen mit entsprechenden Arbeitspaketen und -ergebnissen vor. Die erste Phase zielt darauf ab, bestehende digitale Dienste zu untersuchen, um einen oder mehrere High-Fidelity-Prototypen (Mockups) der Companion Web App (CWA)-Plattform zu entwickeln. Ein Hauptbestandteil dieser ersten Phase ist daher zu verstehen, wie spezifische digitale Technologie, wie z. B. maschinelle Übersetzung, optimal eingesetzt werden kann.

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